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Über AEDs

Geschichte des AED: Von der Elektroschockbehandlung bei Hühnern bis zum intelligenten AED

Heutzutage sieht man AEDs an fast jeder Straßenecke. Aber wusstest du, dass die Grundlage für diese intelligenten Geräte bereits im 18. Jahrhundert gelegt wurde? In diesem Blogbeitrag erzählen wir dir mehr über die Entstehungsgeschichte dieses heute weit verbreiteten Geräts.

Tödliche Schocks bei Tieren

Bei Kammerflimmern gerät das Herz völlig aus dem Takt. Die elektrischen Signale, die den Herzrhythmus steuern, sind dann vollkommen chaotisch, sodass sich die Herzkammern nicht mehr richtig zusammenziehen und kein Blut mehr durch den Körper pumpen können. Dies ist eine Hauptursache für einen Herzstillstand. Glücklicherweise kann ein AED die elektrischen Signale wiederherstellen, sodass das Herz wieder normal pumpt.

Im Jahr 1775 wussten wir jedoch noch nicht einmal, dass Kammerflimmern überhaupt existiert – geschweige denn, dass ein elektrischer Schock den Herzrhythmus eines Menschen beeinflussen kann.

Der dänische Arzt und Tierarzt Peter Christian Abildgaard war seiner Zeit voraus, als er in diesem Jahr Experimente durchführte, bei denen er Hühnern elektrische Schocks verabreichte. Mit einem ersten Schock brachte er das Herz des Tieres zum Stillstand. Dann verabreichte er einen weiteren Schock und zu seiner Überraschung lebte das Tier wieder. Warum das geschah? Er hatte keine Ahnung.

Es sollte fast 75 Jahre dauern, bis jemand verstand, was genau passiert war. Im Jahr 1849 verabreichte auch Carl Ludwig Tieren elektrische Schocks. Er beobachtete, dass elektrische Impulse den Herzrhythmus verändern können. Das war ein erster Schritt zur Kontrolle.

Von tödlichem Chaos zur Kontrolle

Professor John Alexander McWilliam gab dem chaotischen Zustand des überaktiven Herzens im Jahr 1887 einen Namen: ‘Kammerflimmern’. Er stellte fest, dass dieser Zustand unbehandelt tödlich ist.

Dies ebnete den Weg für die Schweizer Physiologen Jean-Louis Prévost und Frédéric Batelli, die 1899 bewiesen, dass man Kammerflimmern nicht nur durch einen elektrischen Schock auslösen, sondern auch durch einen zweiten, stärkeren Schock wieder beenden kann. Die Idee hinter dem AED war geboren.

Die erste elektrische Rettung

Der sowjetische Wissenschaftler Naum Gurvich gelang es 1939 erstmals, Tiere erfolgreich zu defibrillieren. Die erste Anwendung eines Defibrillators beim Menschen ließ noch auf sich warten, erfolgte aber 1947, als der amerikanische Herzchirurg Claude Schaefer Beck das Herz eines 14-jährigen Jungen nach einer Operation wieder in Gang brachte. Eine 45-minütige Herzmassage blieb erfolglos, doch der Defibrillator konnte den Herzrhythmus des Kindes wiederherstellen.

Dieses Gerät konnte jedoch nur während einer Operation verwendet werden, mit Elektroden direkt am Herzen. Eine Defibrillation außerhalb des OPs war damals noch nicht möglich.

Wie die Defibrillation das Krankenhaus eroberte

In den 1950er Jahren änderte sich das. Kardiologe Paul Morris Zoll zeigte 1956, dass man auch durch die geschlossene Brust defibrillieren kann. Gleichzeitig arbeitete Ingenieur William Bennett Kouwenhoven an Defibrillatoren und experimentierte mit Hunden. 1957 entwickelte er einen Defibrillator, der im Krankenhaus transportiert werden konnte – ein Gerät von über 120 kg. Eine spätere Version von 1961 wog immerhin nur noch etwa 20 kg.

Kouwenhoven und sein Team entdeckten zufällig, dass man durch Druck auf die Brust Blut aus dem Herzen pressen kann. Damit legten sie den Grundstein für moderne Wiederbelebungstechniken. Bis dahin glaubte man, das Herz nur durch eine offene Brust stimulieren zu können.

Eine weitere wichtige Entdeckung machte der Arzt Bernard Lown. Er fand 1961 heraus, dass eine bestimmte Form von elektrischem Strom Kammerflimmern stoppen kann, ohne Herz oder Muskeln zu schädigen. Frühere Methoden verursachten oft Verletzungen, weshalb diese Entdeckung ein Durchbruch war.

Obwohl Defibrillatoren inzwischen in Krankenhäusern weit verbreitet waren, war es damals jedoch noch nicht möglich, sie auch außerhalb der Krankenhäuser einzusetzen.

Der Defibrillator geht auf Reisen

Es dauerte bis 1966, bevor der erste Defibrillator sprichwörtlich die Tür des Krankenhauses hinter sich ließ. Kardiologe und Professor James Francis Pantridge installierte in Belfast den ersten tragbaren Defibrillator in einem Krankenwagen. Seine Motivation: Kammerflimmern sollte auch außerhalb des Krankenhauses bekämpft werden können.

Dieser erste tragbare Defibrillator war allerdings noch wenig praktisch. Er wog stolze 70 kg und wurde mit einer Autobatterie betrieben. Aber der Anfang war gemacht.

Glücklicherweise wurde das Gerät schnell weiterentwickelt. Anfang der 1970er Jahre wog der tragbare Defibrillator dank Ingenieur John Anderson nur noch etwa 3 kg und konnte somit viel einfacher außerhalb des Krankenhauses eingesetzt werden.

Der Vorläufer des modernen AED

Aber ein echter AED war das noch nicht. Die Geräte konnten noch nicht selbst analysieren, ob ein Schock notwendig war, daher konnten sie nur von medizinischem Fachpersonal bedient werden.

In den 1970er Jahren wurde in den USA das Heart Aid-System entwickelt, ein Vorläufer des heutigen AED. Dieses Gerät konnte den Herzrhythmus des Patienten selbst analysieren und gab gesprochene Anweisungen. Obwohl dies für die damalige Zeit revolutionär war, war diese frühe Version des AED noch zu komplex für Laien – eine Elektrode musste z. B. über den Mund eingeführt werden. Kommerziell war das Gerät daher kein Erfolg.

Ein AED für alle

Der bereits erwähnte Ingenieur Anderson entwickelte schließlich 1980 einen zuverlässigen Algorithmus zur Erkennung von Kammerflimmern. Dieser funktionierte nicht über eine Elektrode im Mund, sondern über Klebeelektroden auf der Brust. Daraus entstand 1981 ein AED. Obwohl dieser AED den Herzrhythmus analysieren und über die Brustelektroden arbeiten konnte, war das Gerät noch immer technisch anspruchsvoll und medizinische Schulung war erforderlich, um es zu bedienen.

Im Jahr 1982 wurde es dem Rettungspersonal möglich, diesen AED in echten Notfällen einzusetzen. In den 1980er-Jahren wurden die verfügbaren AEDs dann immer besser.

Dies führte Anfang der 1990er-Jahre zur Einführung der ersten kommerziellen AEDs. Zunächst wurden sie vor allem von Ärzten und anderen medizinischen Fachkräften verwendet, da die Geräte noch deutlich komplexer waren als heute und wesentlich schwieriger zu warten. Zudem gab es kaum Aufklärung, und viele Menschen wussten nicht, ob sie den AED überhaupt gesetzlich verwenden durften.

Mit der Zeit änderte sich das. AEDs wurden durch klare Sprachansagen und visuelle Signale immer benutzerfreundlicher. Die Geräte wurden außerdem intelligenter, kleiner und kompakter. Auch die Aufklärung nahm zu.

Ab Mitte der 1990er-Jahre begann die Verbreitung der AEDs. Ab diesem Zeitpunkt tauchten sie immer häufiger an öffentlichen Orten auf, etwa in Sportvereinen, Einkaufszentren und Flughäfen. Eine der ersten Rettungen mit einem öffentlich zugänglichen AED fand 2001 auf einem Flughafen in den USA statt. Die Zahl der AEDs stieg in den folgenden Jahren durch Kampagnen und Informationsarbeit stetig an.

In den 2000er-Jahren bezogen verschiedene Länder Stellung zur Nutzung von AEDs durch Laien. In den Niederlanden veröffentlichte der Gesundheitsrat im Jahr 2002 eine offizielle Empfehlung, in der betont wurde, dass AEDs sicher von Personen ohne medizinischen Hintergrund verwendet werden können. Der damalige Gesundheitsminister übernahm diese Empfehlung.

Ein langer Weg

Von der Elektroschockbehandlung bei Vögeln bis hin zu einem kompakten und intelligenten Gerät, das von jedem verwendet werden kann – wir haben in den letzten 250 Jahren einen weiten Weg zurückgelegt. Und zum Glück, denn mit einem AED zu Hause und an jeder Straßenecke können heute unzählige Leben gerettet werden. Das verdanken wir Generationen von WissenschaftlerInnen, IngenieurInnen und InnovatorInnen! Dank jahrhundertelanger Forschung und Innovation können wir heute mit einem Knopfdruck Leben retten.

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